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Helfen statt Gaffen

60 Jahre „Kavalier der Straße“

Bei ihrer 60. Jahrestagung zeichnete die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen „Kavalier der Straße“ 28 Menschen aus, die ohne zu zögern anderen im Straßenverkehr geholfen haben. Die Kavaliere wurden in Regensburg im Beisein des Regierungspräsidenten der Oberpfalz Axel Bartelt, Gabriele Opitz, Stadträtin der Stadt Regensburg sowie Andrea Jakob, stellvertretende Chefredakteurin der Mittelbayerischen Zeitung, geehrt.

Kavaliere der Straße zeichnet aus, dass sie Menschen, die im Straßenverkehr in Not geraten, helfen. Wie unterschiedlich diese Hilfe aussehen kann, zeigten die Geschichten der 28 Ausgezeichneten. Der eine stellte einen Lkw-Fahrer, der Fahrerflucht beging, andere leisteten lebensrettende Erste Hilfe oder alarmierten Feuerwehr und Polizei. Gemeinsam ist allen, dass sie mit ihrem Handeln zu einem partnerschaftlichen Miteinander im Straßenverkehr beitragen. Das sei, so Regierungspräsident Bartelt, in der heutigen Zeit immer seltener zu beobachten.

Kavaliere als Vorbilder
Damit sind die Kavaliere der Straße Vorbilder für alle Menschen, die am Straßenverkehr teilnehmen. Vielen Helferinnen und Helfern fiel bei ihren Rettungseinsätzen auf, dass sie gestört und gefilmt wurden oder die Rettungsgasse blockiert wurde. „Sowohl als Regierungspräsident als auch als Privatperson finde ich es abstoßend, wenn sich andere am Leid Dritter ergötzen, und kann nur appellieren, sich auf den Verkehr zu konzentrieren und nicht zum Katastrophentouristen zu werden“, sagte es der Regierungspräsident in klaren Worten. Er überreichte den 28 Kavalieren die Plakette und Anstecknadel für ihre herausragende Hilfsbereitschaft im Straßenverkehr. „Glücklicherweise gibt es noch Menschen wie Sie“, dankte er den Kavalieren.

Das unterstrich der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Hermann Fetsch: „Wir brauchen mehr denn je Menschen, die ritterliche Tugenden im Straßenverkehr unter Beweis stellen.“

Auch Andrea Jakob sprach die abnehmende Bedeutung von rücksichtsvollem Verhalten und Hilfsbereitschaft im Straßenverkehr an. „Anstatt stehen zu bleiben, um zu helfen, bleiben viele stehen, um zu gaffen.“ Längst seien das keine Einzelfälle mehr.

Beeindruckende Rettungseinsätze
Wie es anders geht, stellen die Kavaliere der Straße unter Beweis. Menschen wie Christiane Niebler aus Kühlenthal im Landkreis Augsburg, die auf der A 6 bei Amberg gleich bei zwei aufeinanderfolgenden Unfällen beherzt geholfen hat. Zunächst kümmerte sie sich um sieben rumänische Insassen eines verunglückten Kleinbusses. Während der Unfallaufnahme ereignete sich auf der Gegenfahrbahn ein weiterer schwerer Unfall – vermutlich aufgrund Schaulustiger und Unachtsamkeit. Christiane Niebler übernahm auch hier zusammen mit einem Teil der bereits im Einsatz befindlichen Feuer­wehrkräfte die Erstversorgung der Verletzten. Unverletzt blieb glücklicherweise ein acht Wochen altes Baby.

Und es gab weitere von Laudator Gerd Brunner vorgetragene Kavaliergeschichten, die eine Gänsehaut auslösten. Etwa als er von dem Familienvater erzählte, der gerade erst seine Frau verloren hatte und nun selbst aufgrund von gesundheitlichen Problemen auf der A 94 in einem engen Baustellenbereich verunglückte. Michaela Eschle, Philipp Metzger und Zoltan Sabo wechselten sich über längere Zeit mit den Wiederbelebungsmaßnahmen ab. „Wir haben einfach nur noch funktioniert“, sagte Metzger. Sie konnten den 48-jährigen Witwer retten und so verhindern, dass seine kleinen Kinder zu Vollwaisen wurden.

Über die Arbeitsgemeinschaft
Mehr als 65.000 Kavaliere sind seit Gründung der Arbeitsgemeinschaft im Jahr 1959 für ihr Engagement geehrt worden. Der erste ausgezeichnete Kavalier der Straße war übrigens Walter Weber aus Schierling im Landkreis Regensburg. Er half damals einem Ehepaar mitten in der Nacht mit einem Abschleppseil, das er aus Hosenträgern und Perlonstrümpfen bastelte. Aber nicht selten ging es auch vor 60 Jahren um dramatische Notfälle. Und rund 15.000 Verkehrstote pro Jahr waren einer der Gründe, warum die Initiative der Tageszeitungen überhaupt ins Leben gerufen wurde. Ziel der Arbeitsgemeinschaft war und ist es, Kavaliere auszuzeichnen und über ihre Taten zu berichten. Dadurch sollen alle anderen motiviert werden, ebenfalls zu helfen. Aktuell sind etwa 30 Tageszeitungen Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft.

Immer wieder wurden in den vergangenen 60 Jahren auch Prominente wie Maria Schell oder Prinz Adalbert von Bayern als Kavaliere der Straße ausgezeichnet. Nun kommt ein weiterer bekannter Name hinzu: Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat bei einem schweren Verkehrsunfall auf der A 3 bei Erlangen Erste Hilfe geleistet. Er habe „Kavaliersqualitäten“ bewiesen, lobte Regierungspräsident Bartelt. Die Auszeichnung will Herrmann allerdings nicht an die große Glocke hängen. Sie wird in seinem Ministerium überreicht.

Mehr Informationen über die Arbeitsgemeinschaft unter: http://www.kavalier-der-strasse.com

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Sicher zu Fuß

Allianz-Studie: Ältere besonders gefährdet

Der Anteil der im Straßenverkehr getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger lag 2018 bei rund 14 Prozent (457). Eine Verkehrssicherheitsstudie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) in Zusammenarbeit mit dem Institut Mensch-Verkehr-Umwelt (München) und MAKAM Research (Wien) zur Mobilität und Sicherheit von Fußgänger­innen und Fußgängern zeigt, welche Unfallsituationen am gefährlichsten sind, wie hoch das Ablenkungspotenzial durch Smartphone & Co. ist und welche Technik helfen kann, Unfälle zu vermeiden.

Besonders gefährdet sind sie in der Zeit von Oktober bis Februar, innerorts und in der Dämmerung beziehungsweise bei Dunkelheit. Die Leidtragenden sind vor allem Senioren, die auf das Zufußgehen mehr angewiesen sind als Jüngere. „Mehr als die Hälfte der getöteten Fußgänger in Deutschland ist älter als 64 Jahre“, sagt Jochen Haug, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG. „Und der Anteil stieg vergangenes Jahr nochmals stark an, von 51 auf 56 Prozent.“

Unfallrisiko durch Ablenkung
Auch Ablenkung spielt eine erhebliche Rolle. Laut der repräsentativen Erhebung der Allianz „tippen“ beziehungsweise „texten“ 43 Prozent der Befragten beim Gehen. Fast jeder Zweite (45 Prozent) nutzt das Handy, um zu fotografieren. 28 Prozent hören Musik, und zwei Drittel (67 Prozent) telefonieren beim Gehen. Dies zeigt, dass Ablenkung nicht nur beim Autofahren, sondern auch zu Fuß ein nachweisbares Unfallrisiko birgt. „Die Nutzung elektronischer Geräte erhöht die Wahrscheinlichkeit für einen Fußgänger, einen Unfall zu erleiden“, sagt Haug. Speziell beim Musikhören steige das Risiko um mehr als das Vierfache, beim Texten um das Doppelte. Wie beim Autofahren sei auch im Fußverkehr das Telefonieren die häufigste Ablenkung, spiele aber beim Gehen eine geringere Rolle für das Unfallgeschehen. Im Gegensatz zu Autofahrenden würden Fußgängerinnen und Fußgänger in der Regel selbst entscheiden, wann sie sich in eine konfliktträchtige Verkehrssituation begäben, beispielsweise beim Überqueren einer Straße, und dürften demnach besser in der Lage sein, das Telefonieren auf die jeweilige Situation abzustellen.

Sicherheit durch Notbremssysteme
Eine umfangreiche Analyse der Fußgängerunfälle der Allianz Versicherung zeigt zunächst erwartungsgemäß, dass in einem Großteil der Fälle (42 Prozent) der Anprall im Frontbereich stattfindet. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich 23 Prozent der Unfälle beim Rückwärtsfahren ereignen. Versuche im AZT zeigen, dass bereits ein durch einen Anprall mit drei km/h resultierender Sturz Kopfverletzungen nach sich ziehen kann. Die Untersuchungen belegen, dass neben der Warnfunktion eines Systems auch die automatische Notbremsung lebenswichtig ist, wenn trotz Warnton nicht reagiert wird. „Nachdem sich in den vergangenen Jahren Notbremssysteme für Fußgänger im Frontbereich als Marktstandard für neue Fahrzeugmodelle etabliert haben, müssen wir jetzt im nächsten Schritt auch die Notbremsung beim Rückwärtsfahren weiterentwickeln, um die Sicherheit für Fußgänger zu erhöhen. Fußgänger müssen in jeder Situation sicher erkannt werden“, sagt AZT-Geschäftsführer Dr. Christoph Lauterwasser.

Strategie für sicheren Fußverkehr
Seit vielen Jahren sind die Verkehrs­opferzahlen in Deutschland rückläufig – auch die der getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2018 zeigen jedoch wieder einen leichten Anstieg der Anzahl aller Getöteten (plus drei Prozent), aber die Anzahl der getöteten Fußgängerinnen und Fußgänger ging leicht zurück (minus fünf Prozent). Dass das kein Grund zur Entwarnung ist, zeigt die Allianz-Sicherheitsstudie. „Der Anteil der getöteten Fußgänger im Vergleich zu allen Unfalltoten steigt langjährig leicht an, und immer noch verunglücken jährlich 30.000 Fußgänger im Straßenverkehr“, sagt Haug.„Ihrer Sicherheit muss stärkere Beachtung geschenkt werden, wenn wir die Vision Zero, den Straßenverkehr ohne Tote, bis zum Jahr 2050 erreichen wollen.“

Fußgängersicherheit dürfe nach Ansicht der Allianz nicht im breiten Spektrum der Probleme „ungeschützter“ Verkehrsteilnehmender untergehen. „Fußgänger benötigen eine eigenständige Außendarstellung, denn ihre Belange sind andere als die der Zweiradfahrer“, erläutert Haug. „Eine Aktualisierung der Fußgänger-Charta des Europaparlaments aus den 1980er Jahren wäre ein hilfreicher Impuls für die Verkehrssicherheit in Europa.“


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Lkw von morgen: sicher und vernetzt

3. DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge in Berlin

Beim 3. DEKRA Zukunftskongress Nutzfahrzeuge am 19./20. November in Berlin diskutierten Fachleute aus Politik, Industrie, Forschung und Transportgewerbe vor rund 300 Gästen die Potenziale innovativer Technologien rund um das Nutzfahrzeug.

Die Nutzfahrzeugbranche hat sich in den letzten Jahren durch eine Vielzahl an Innovationen technologisch rasant entwickelt. Doch bei allen Fortschritten steht die Nutzfahrzeugindustrie vor großen Herausforderungen, die in den kommenden Jahren die Prozessabläufe und Investitionsentscheidungen in Transportunternehmen und Speditionen bestimmen werden – etwa im Blick auf automatisiertes Fahren, Digitalisierung, Vernetzung oder alternative Antriebe.

Schutz bei Rechtsabbiegeunfällen
Seitens der Politik beschäftigte sich Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrs­ministerium, in seiner Keynote auch mit der Verkehrssicherheit von Nutzfahrzeugen und richtete im Zusammenhang mit dem Abbiegeassistenten kritische Worte in Richtung EU. Hintergrund: Für neue Lkw-Fahrzeug­typen wird der Abbiegeassistent erst ab 2022 und für alle neuen Lkw ab 2024 verpflichtend. „Wir hätten uns einen deutlich früheren Zeitpunkt gewünscht, freuen uns aber über jeden Transportunternehmer, der dieses System heute schon für seine Fahrzeuge bestellt und so vor allem beim Rechtsabbiegen zum Schutz von Radfahrern und Fußgängern beiträgt“, sagte Bilger.

Dass der Abbiegeassistent die Sicherheit ungeschützter Verkehrsteilnehmender deutlich erhöhen kann, untermauerten die Ausführungen zur Herstellerlösung von Mercedes-Benz Lkw sowie zu den Nachrüstlösungen etwa von Luis Technology oder von Wüllhorst Fahrzeugbau und Edeka Südbayern. Bei dieser Gelegenheit verkündete Dieter Schoch von der Daimler AG, dass Mercedes-Benz den seit 2016 ab Werk erhältlichen Abbiegeassistenten seit Neuestem für zahlreiche Modelle der Baureihen Actros, Arocs oder Econic auch als Nachrüstlösung anbietet. Ebenso, versprach Schoch, werde der Notbremsassistent Aktive Brake Assist der fünften Generation mit Fußgängererkennung ab Januar 2020 in allen neuen Actros und Arocs in Europa serienmäßig verbaut sein.

Automatisiertes Fahren
Angesichts der Tatsache, dass fast 90 Prozent aller Straßenverkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückgehen, bieten Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen ein großes Sicherheitspotenzial, indem sie Fehler des Menschen verhindern oder deren Folgen vermindern. „Selbstverständlich muss in diesem Zusammenhang gewährleistet sein, dass die Systeme im Lauf der Entwicklung und im Rahmen der Typgenehmigung umfassend getestet und geprüft werden“, gab DEKRA-Geschäftsführer Jann Fehlauer zu bedenken. Zudem müssten die Systeme über den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs hinweg zuverlässig funktionieren, also auch im Rahmen der Periodischen Fahrzeugüberwachung geprüft werden können.

Dr. Stefan Guserle mit dem Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge ausgezeichnet
Gemeinsame Ehrung von EVU, DVR und DEKRA

Dr. Stefan Guserle ist mit dem Europäischen Sicherheitspreis Nutzfahrzeuge 2019 ausgezeichnet worden. Der 52-jährige Abteilungsleiter Simulation Karosserie & Crasherprobung bei der MAN Truck & Bus SE wurde im Rahmen des DEKRA Zukunftskongresses Nutzfahrzeuge in Berlin geehrt. Der Preis wurde in diesem Jahr zum 30. Mal gemeinsam von der Europäischen Vereinigung für Unfallforschung und Unfallanalyse (EVU), dem DVR und DEKRA vergeben.

„Mit Herrn Dr. Guserle zeichnen wir in auch in diesem Jahr eine Persönlichkeit aus, die sich mit ihren beruflichen Leistungen in besonderer Weise um die Sicherheit des Nutzfahrzeugs verdient gemacht hat“, sagte EVU-Präsident Jörg Ahlgrimm in seiner Laudatio. „Er ist verantwortlich für eine ganze Reihe von Projekten, die sich letztlich alle mit der Optimierung der passiven Sicherheit und dem Insassenschutz befassen. Dabei gehen die Arbeiten im Bereich der Simulation, der Erprobung und der Definition von Crashlastfällen weit über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.“

Dr. Stefan Guserle studierte an der TU München Maschinenwesen und promovierte im Jahr 2001 zum ­Dr.-Ing. Im Jahr 2000 begann er seine Tätigkeit bei MAN als Berechnungs­ingenieur im Bereich Festigkeitsberechnung und Crashsimulation von Lkw-Fahrerhäusern. 2006 wurde er Abteilungsleiter und ist als solcher bei MAN für die passive Sicherheit und den Insassenschutz zuständig.

In seinen Verantwortungsbereich fallen unter anderem die Crashberechnung und -erprobung sowie Festigkeitsberechnungen für Lkw und Busse, außerdem die Entwicklung von Methoden zum virtuellen Testen und für die Homologation über virtuelle Verfahren. Aktuell rückt dabei die passive Sicherheit von Nutzfahrzeugen mit elektrischen Antrieben zunehmend in den Fokus.

Auch für die Bereiche Unfallstatistik und Unfallanalyse bei Lkw und Bus ist er verantwortlich – eine wichtige Grundlage für die Bewertung von Risiken bei der Fahrzeugentwicklung.


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Sichere Kreuzungen für den Radverkehr

ADFC-Fachtagung präsentierte neue Konzepte

Neue Konzepte für fahrradfreundliche Kreuzungen standen im Fokus der diesjährigen Fachtagung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork begrüßte die etwa 170 Teilnehmenden: „Man muss die Menschen zum Radfahren einladen und dafür braucht es einladende Infrastruktur.“ Deshalb sei es jetzt, wo die Debatte um mehr Radverkehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, an der Zeit, sich dem Thema fahrradfreundliche Kreuzungen anzunehmen. „Eine deutsche Lösung für sichere Kreuzungen gibt es noch nicht. Wir müssen sie gemeinsam suchen“, meinte Stork.

Situation in Deutschland
„Wir müssen etwas für die Verkehrssicherheit des Radverkehrs tun“, eröffnete Jörg Ortlepp von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) die Fachvorträge und wies darauf hin, dass rund zwei Drittel der Unfälle an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten passieren. Er plädierte dafür, Kreuzungen zu vereinfachen und zu entzerren. Wesentlich sei, dass man schnell erkennen und begreifen könne, wie sie funktionieren. Vor allem eine gute Sichtbeziehung zwischen den Verkehrsteilnehmenden sei wichtig. Ob nun geschützte Kreuzungen, die es in den Niederlanden gibt und die in anderen Ländern wie den USA, Großbritannien und Kanada adaptiert wurden, die Lösung seien, dafür fehlten bisher belastbare Zahlen. „Das muss man ausprobieren und nachschauen“, sagte Ortlepp. Getrennte Signalisierung sei ein gutes Mittel, um die Sicherheit an Kreuzungen zu verbessern, ebenso wie die Einführung eines Lkw-Abbiegeassistenten.

Geschützte Kreuzungen
Mit dem Vortrag von Johan Diepens von Mobycon, einem Beratungsunternehmen für nachhaltige Mobilitätslösungen, ging der Blick in die Niederlande. „Eine Kreuzung muss einfach und selbsterklärend sein“, betonte auch er und berichtete von unterschiedlichen Kreuzungslösungen, die in den Niederlanden je nach Geschwindigkeit gestaltet werden. Kreisverkehre, bei denen Fuß- und Radverkehr Vorrang vor dem Autoverkehr haben, würden gut funktionieren, weil es weniger Konfliktpunkte gebe. Schlüsselaspekt sei der 90-Grad-Winkel, der eine gute Sichtbeziehung zwischen Rad- und Autoverkehr erlaube. Auch geschützte Kreuzungen, bei denen es zusätzliche Bordsteine gibt und die mit Farbe markiert sind, würden gerne errichtet. Bei dieser Lösung seien die Haltelinien für den Autoverkehr zurückgesetzt und es gebe ausreichend Platz für den Fußverkehr.

Getrennte Ampelphasen
Über das Thema Ampelschaltungen referierte Emil Tin von der Stadt Kopenhagen. „Komplett getrennte Ampelphasen sind für die Sicherheit am besten“, sagte er, zum Beispiel, wenn Radfahrende vor den Autos Grün bekommen. Das sei vorteilhaft, wenn die Radfahrenden vorher an der Ampel gestanden haben; kommen sie hingegen bei Grün an, sei der Vorteil weg. Er gab zu bedenken, dass getrennte Ampelphasen den Verkehr insgesamt langsamer machen würden. Außerdem berichtete er von einigen Projekten wie der Grünen Welle für Radfahrende bei 20 km/h, intelligenter Straßenbeleuchtung oder der App „Green Catch“, die Kreuzungen für Radfahrende sicherer machen und ein besseres Vorankommen ermöglichen sollen.

Impulse aus der Praxis
Kürzere Impulsvorträge gaben anschließend einen Einblick in die Praxis. Timm Schwendy von „Darmstadt fährt Rad“ erzählte von den Erfolgen durch den Radentscheid. So sei in nur zwei Tagen der erste geschützte Radfahrstreifen errichtet worden. Durch kleinere Sofortmaßnahmen wie Trixi-Spiegel oder vorgezogene Haltelinien für Radfahrende sollen Kreuzungen sicherer werden. Außerdem habe sich die Stadt zu Schutzkreuzungen bekannt.

Merja Spott von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz berichtete, wie Berlin den Umgestaltungsprozess von Kreuzungen angehe. Mit dem Mobilitätsgesetz habe sich die Hauptstadt der Vision Zero verschrieben und werde in den nächsten Jahren viele unfallträchtige Kreuzungen umbauen. In einem Workshop, der zusammen mit einem niederländischen Planungsbüro stattfand, habe sich die Senatsverwaltung mit dem Thema „Geschützte Kreuzungen“ befasst. Ihr Fazit: Es gibt nicht den einen idealen Kreuzungsentwurf, sondern verschiedene Elemente, die in unterschiedlichen Situationen angewendet werden. Da belastbare Zahlen zur Sicherheit von geschützten Kreuzungen fehlen, soll es 2020 Verkehrsversuche geben, die anschließend ausgewertet werden.

In Großbritannien gibt es bereits geschützte Kreuzungen, wie Richard Butler von der Metropolregion Greater Manchester berichtete. Bisherige Kreuzungskonzepte hätten verschiedene Schwachstellen, daher habe man sich die geschützten Kreuzungen in den Niederlanden zum Vorbild genommen. Durch andere Gesetze in Großbritannien ließen sich diese nicht eins zu eins übertragen. Mit den sogenannten „Cyclops“ gebe es aber ein ähnliches Modell.

Die Podiumsdiskussion zum Abschluss diskutierte strittige Punkte. Ludger Koopmann vom ADFC-Bundesvorstand sprach das Kernproblem an: „In Deutschland sind wir zu zurückhaltend, zu feige. Wir müssen mehr ausprobieren. In dem Tempo werden wir die Verkehrswende nicht mal ansatzweise schaffen.“

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