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Auf dem Prüfstand: Das Programm „Kind und Verkehr“

Schriftenreihe Verkehrssicherheit 7

Auf dem Prüfstand: Das Programm „Kind und Verkehr“
20 Jahre nachdem das DVR-Programm „Kind und Verkehr“ gemeinsam mit der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) entwickelt und unter Federführung des DVR mit den Mitgliedern erstmals umgesetzt wurde, ist es im Jahr 2000 - wiederum gemeinsam - auf den Prüfstand gestellt worden.

Die BASt hatte zu diesem Zweck sechs Forschungsprojekte an externe Wissenschaftler vergeben. Im Anschluss an die zweijährige Evaluationsphase hat eine eigens gebildete Projektgruppe die Ergebnisse in ein Konzept für eine umfassende Programmoptimierung eingearbeitet und Empfehlungen für die Weiterentwicklung von „Kind und Verkehr“ formuliert.

Projektgruppenbericht Optimierung des Programms „Kind und Verkehr“

Das Programm „Kind und Verkehr“ des DVR und seiner Mitglieder wird seit 20 Jahren bundesweit angewendet und gilt als das erfolgreichste Zielgruppenprogramm seiner Art. In seinem Elternbildungsteil richtet es sich hauptsächlich an Eltern von Kindern bis zu 6 Jahren. Ziel ist es, im Rahmen spezieller Veranstaltungen die Fähigkeit der Eltern zu erweitern, ihre Kinder im Straßenverkehr zu sichern und zur selbständigen Verkehrsteilnahme anzuleiten.

Finanziert wird das Programm maßgeblich vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW). Aufgrund nachlassender Veranstaltungszahlen sah sich das Ministerium veranlasst, den Gründen für den Rückgang nachzugehen und nach Optimierungsmöglichkeiten zu suchen. Diese Aufgabe wurde einer Projektgruppe der BASt übertragen, an deren Arbeit Vertreter der Praxis und Wissenschaft beteiligt waren.

Der Bericht der Projektgruppe räumt dem Zielgruppenprogramm „Kind und Verkehr“ des DVR auch in Zukunft gute Umsetzungsmöglichkeiten ein. Die in 20 Jahren entwickelte Infrastruktur kooperierender Verkehrssicherheitsverbände und das bundesweite Netz von Moderatoren sollten weiterhin genutzt werden. Um den künftigen Anforderungen zu genügen, sind allerdings Veränderungen sowohl im Programmaufbau als auch in der -umsetzung unumgänglich: Der Aufbau erscheint unter heutigen Bedingungen inhaltlich und methodisch zu eng gefasst. Die Umsetzung ist noch nicht konsequent genug durchstrukturiert und sollte durch ein modernes Programm-Controlling effizienter gestaltet werden.

Für die Zukunft empfiehlt der Bericht ein breiter angelegtes System von personalen Vermittlungsformen und medialen Informationen, die vor allem über die Institutionen Kinderarzt, Kindergarten und Schule (Einschulung) an die Eltern herangetragen werden. Im Zentrum sollte wie bisher die moderierte Elternveranstaltung stehen. Der Moderator sollte jedoch über ein größeres Spektrum von Vermittlungsformen und Themen verfügen als bisher. Es wird erwartet, dass es ihm dadurch besser gelingt, den angestrebten Lerntransfer zu ermöglichen, bisher fernstehende Elterngruppen für die Programminhalte zu interessieren und regionale Besonderheiten zu berücksichtigen. Auf seine Tätigkeit muss er jedoch in Zukunft verbindlicher vorbereitet werden. Die Tätigkeit vor Ort ist von den Verbänden und von den Moderatoren besser zu koordinieren. Aus Gründen der Motivation und Logistik sollte die Moderatorentätigkeit nicht mehr pauschal, sondern nach dem jeweiligen Aufwand vergütet werden.

Es ist zu erwarten, dass mit der vorgeschlagenen Programmstruktur bei gleichbleibendem Finanzrahmen etwa 20 Prozent der Elternzielgruppe an „Kind und Verkehr“-Veranstaltungen in Kindergarteneinrichtungen teilnehmen werden, dabei allerdings eine bessere Flächendeckung über die einzelnen Regionen in Deutschland erreicht wird. Ferner soll der Großteil der Eltern, der nicht an den Veranstaltungen zu „Kind und Verkehr“ teilnimmt, zumindest auf medialem Weg die wichtigsten Informationen zur Verkehrserziehung ihrer Kinder erhalten. Die dafür eingesetzten Medien sollten in Zukunft durch eine flexiblere Gestaltung ein breiteres und aktuelleres Informationsspektrum abdecken.

Insgesamt sollen die Vorschläge der Projektgruppe dazu beitragen, dass die für das Programm zur Verfügung gestellten Mittel effizienter eingesetzt werden. Das verbesserte Qualifizierungs und Betreuungssystem der Moderatoren leistet dafür den größten Beitrag. Das vorgeschlagene Controlling-System verspricht für die zukünftige Programmumsetzung mehr Transparenz und Entwicklungsfähigkeit. Die für die Qualitätssicherung vorgeschlagenen Verfahren und Instrumente sollten baldmöglichst eingeführt und angewendet werden.

Der Verbund von Elternveranstaltungen und medialen Informationen wird den künftigen Standard der Elternbildungsarbeit auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit insgesamt bestimmen, auf andere Aktivitäten, z.B. die Verkehrserziehung im Kindergarten, ausstrahlen und dadurch Synergieeffekte freimachen.

Bei den Bemühungen zur Optimierung und Effizienzsteigerung des Programms ist schließlich zu berücksichtigen, dass die vom BMVBW zur Verfügung gestellten Mittel durch die zusätzlich eingebrachten Personal- und Sachressourcen der beteiligten Umsetzerverbände und Schulen einen beträchtlichen Mehrwert erfahren. Im Sinne der Verkehrssicherheit der Kinder gilt es, diesen Mehrwert auch in Zukunft zu nutzen.

In den Kurzfassungen der sechs Teilprojekte im Anhang werden einzelne Aspekte der Programmentwicklungt detaillierter vorgestellt.

ISSN (Print)    2626-9287
ISSN (Online)  2626-9295

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